Endstation Ostsee

 

 

H.P. Karr (Hg)

Endstation Ostsee

Kurzkrimis von Rostock bis Heringsdorf

220 Seiten, Taschenbuch

Hillesheim: KBV-Verlag 2009

ISBN-10: 3940077542

ISBN-13: 978-3940077547

 

Schneeweißer Tod

 

 

Der Brief steckte in meinem Briefkasten. Ohne Absender, nur ein dezenter Werbeaufdruck erinnerte an die Hansezeit Rostocks. Ich riss ihn auf und zwei Fotos, die an eine Visitenkarte geheftet waren, fielen heraus. Eine deutlich jüngere Ausgabe von mir blickte mich auf dem Ersten an, in der schiefergrauen wattierten NVA-Winterjacke lässig an einen Tatra 813 gelehnt, der neben dem Ortsschild von Rostock stand, inmitten einer Schneewüste. Das zweite Foto zeigte wieder den Tatra, aber diesmal stand eine massige Gestalt davor. Auf eine Schaufel gestützt schaute sie missmutig in die Kamera. Ich erkannte ihn sofort, Titko. Wir waren uns zum ersten Mal im Sommer 1978 während der Grundausbildung, und zusammen wurden wir später nach Stavenhagen, eine kleine Stadt im Bezirk Neubrandenburg, versetzt. Im Laufe der Zeit lernten wir uns hassen und er war der Erste, den ich mit einer Waffe bedrohte.

Die Visitenkarte wirkte wie selbst gedruckt und stammte von einer »Agentur Köber - Informationsbeschaffung aller Art«, mit Sitz in Stralsund. Auf der Rückseite stand in kleiner, zierlicher Handschrift, dass am Sonntag in Stralsund eine Gedenkfeier anlässlich des 30sten Todestages von Theo "Titko" Tilker stattfinden würde. Außerdem wies der Verfasser der Zeilen daraufhin, dass er sich wirklich freuen würde, wenn ich "als ehemaliger NVA-Kamerad" von Titko erscheinen würde, um meine Erinnerungen an ihn mit den andere zu teilen.

 

Ich fing an zu schwitzen, lockerte meine Krawatte und starrte auf den Wandkalender, von wo aus mich der kommende Sonntag geradezu ansprang. Normalerweise wäre ich an diesem Samstagmorgen nicht im Büro gewesen. Da ich der Inhaber der Firma war, die hauptsächlich Unternehmen im Bereich Internetsicherheit betreute, blieb mir nicht anderes übrig, wenn Probleme auftraten. Die kurze Nachricht auf meinem Blackberry heute Morgen war eindeutig gewesen und ließ mir keine Wahl. Eigentlich hatte ein ausgedehnter Ausflug mit einer Bekannten auf dem Plan gestanden, aber dieses neue Projekt war zu wichtig und hatte mich meine Pläne ändern lassen.

Mittlerweile war mein Hemd so gut wie durchgeschwitzt, die Raumtemperatur schien gestiegen zu sein. Das Denken viel mir schwer und nur mit Mühe unterdrückte ich den Impuls, einfach loszustürmen. Eine kurze Recherche im Internet brachte kaum etwas die Agentur Köber, außer dass sie eben Informationen "aller Art" beschaffte und ihr Büro in der Mönchstraße im Altstadtbereich von Stralsund hatte.

 

Der Routenplaner versprach mir eine maximale Fahrtzeit von vier Stunden und dies trug das zu bei, den Entschluss zu fassen, mich umgehend auf den Weg nach Stralsund zu machen. Während der Fahrt kehrte langsam die Erinnerung an die Ereignisse von damals zurück.

Von Anfang an war ich mit Titko aneinandergeraten. Etwas schien ihn an mir zu reizen, ihn geradezu anzuspornen, mir in die Quere zu kommen. Ich wiederum erwiderte dieses herzliche Gefühl der Abneigung, wo ich nur konnte und so unterstützten wir uns gegenseitig in unserer Privatfehde. Bis zu diesem Tag auf dem Schießplatz. Ich hatte schon scharfe Munition erhalten, als eine Störung im Ablauf eintrat und ich wieder zurücktreten musste, ohne das Magazin vorschriftsmäßig abzugeben. Am Rand der Schießbahn stand Titko, sah mich und rief mir einer seiner üblichen Bemerkungen zu. Eine seltsame Art von Ruhe durchströmte mich plötzlich, öffnete einen Bereich in mir, in dem anscheinend schon sehr lange etwas gewartet hatte. Ich führte das Magazin ein, lud durch, entsicherte und richtete die AK47 auf ihn. Titko, gut einen Kopf größer als ich und bestimmt vierzig Kilo schwerer schien zu schrumpfen. Er hob wie abwehrend eine Hand und stammelte etwas, das ich nicht verstand. Es war mir egal und vielleicht wollte ich damals abdrücken, doch Berger der Kamerad neben mir, drückte langsam den Lauf der Waffe nach unten und schüttelte einfach nur den Kopf. Es reichte, um mich zu beruhigen. Ich wandte mich ab, nahm das Magazin heraus, entfernte die Patrone aus dem Lager, drückte sie wieder in das Magazin und sicherte die Waffe. Kurze Zeit später wurde ich aufgerufen und die Schießübung lief weiter, als wäre nichts passiert. Anscheinend hatte niemand den Zwischenfall mitbekommen, es gab keine Konsequenzen für mich. Von da an ließ Titko mich Ruhe, er schien geradezu bemüht, keinerlei Missstimmung zwischen uns aufkommen zu lassen.

 

Weihnachten und Sylvester 1978 verbrachte ich in der Kaserne von Stavenhagen. Kurz vorher hatte ich eine intensive Einweisung im Bereich Berge und Räumgeräte erhalten. Gegen Ende des Jahres setzte starker Schneefall ein, der sich zu einer Katastrophe ausweitete. Der Ostseebereich der DDR versank meterhoch in einem weißen Chaos. Züge blieben liegen die Fernwärmeversorgung in den Städten stand vor dem Zusammenbruch, weil die Braunkohle gefror. Ich gehörte zu einer Abteilung, die im Zuge eines Hilfseinsatzes der NVA nach Wismar abkommandiert wurde. Ich war mit meinen Kameraden pausenlos im Einsatz und nach einiger Zeit ging es weiter über Kröpelin, bis an die Stadtgrenze Rostocks. Viel mehr als Schnee sah ich in diesen Tagen nicht. Alles versank in den weißen Massen, durch die wir nur mit Mühe mit unseren Räumfahrzeugen Schneisen zu abgeschnittenen Ortschaften bahnten. Das Titko auch zu der Abteilung gehörte, hatte ich schnell festgestellt, doch schenkte ich dem keine Beachtung. Das änderte sich, als ich der Räumung der Bahnstrecke Wismar-Rostock zugeteilt wurde und Titko mit zur Besatzung des Tatras gehörte, den ich fuhr.

 

Wir verbrachten Stunden damit, die Schienen zu räumen, damit die Reichsbahn-Lok, vor die eine altertümliche Schneefräse gekoppelt war, überhaupt vorankam. Mit der Dämmerung setzte wieder Schneefall ein. Nach einiger Zeit fiel mir auf, dass sich außer mir nur noch Berger und Titko in der Nähe der Fräse befanden. Titko schaute zu mir herüber, grinste und sagte etwas, das ich aber über den Lärm, den die Fräse machte, nicht verstand. Er schien auf eine Reaktion von mir zu warten, kam dann auf mich zu und versetzte mir ansatzlos einen Stoß. Überrascht taumelte ich zurück, geriet ins Stolpern, fing mich wieder und steckte einen Hieb mit der Faust ein, der mich endgültig zu Boden schickte. Mit der Schaufel, die ich noch umklammerte, versuchte ich einen weiteren Angriff von Titko abzuwehren, aber er riss sie mir mühelos aus den Händen. Ich rollte mich zur Seite, und er versetzte mir einen Schlag mit dem Schaufelstiel, der mich an der linken Schulter traf. Für einen Moment verlor ich die Orientierung. Ich kroch ein Stück durch den Schnee, versuchte mich aufzurichten, was mir mühsam gelang und erwartete einen erneuten Angriff. Doch Titko stand nur da, schien die Situation zu genießen. Verschwommen sah ich im dämmrigen Schneetreiben die Umrisse der Lok, die im Schritttempo die Fräse vor sich herschob. In meiner Tasche spürte ich mein altes Klappmesser, das ich ständig mit mir herumtrug. Nicht gerade die ideale Waffe mit seiner kurzen Klinge, aber in diesem Moment war mir das egal. Langsam bewegte ich mich auf Titko zu, der mit einem spöttischen Grinsen die Schaufel hob. Direkt vor ihm ließ ich mich auf die Knie fallen und rammte ihm die Klinge des Messers in den linken Oberschenkel und zog es mit einem Ruck nach unten.

 

Er schrie auf, machte einen Schritt nach hinten, knickte ein und fiel auf die Gleise, nur wenige Meter vor den Walzen der Fräse, die sich unaufhaltsam näherte. Er versuchte sich hochzustemmen, schaffte es nicht, streckte eine Hand in meine Richtung, fast wie damals auf dem Schießplatz. Dann verschwand für einen Moment alles unter einer Woge infernalischen Lärms. Auch Titko verschwand. Verwandelte sich in eine rötliche Schneewolke, die sich in der Dunkelheit auflöste.

„Du verdammtes Schwein. Du hast ihn einfach umgebracht.“ Berger stand fassungslos neben mir. Starrte auf die Stelle, wo sich vor wenigen Augenblicken Titko befunden hatte. Ich hielt noch das blutige Messer umklammert und das sprach nicht gerade für die klassische Notwehrsituation.

„Ich werde dich melden. Dafür gehst du für immer den Knast.“

 Er hatte recht. Wie sollte ich das erklären? Auf keinen Fall wollte ich einen Teil meines Lebens im Gefängnis verbringen. In diesem Moment traf ich eine Entscheidung. Zwei Leben zum Preis von einem. Schreckliche Unfälle passieren und ich musste damit leben. Berger seufzte kurz, als ich ihm die Klinge direkt ins Herz stieß. Ich zerrte ihn hinter der Fräse her, dann folgte er Titko nach.

 

Ich verließ die Autobahn 20 vor Rostock und fuhr auf der B105 in Richtung Stralsund. Dreißig Jahre verändern eine Landschaft, aber am meisten schien die Zeit nach der Wende bewirkt zu haben. Ich konnte mich an die Alleen erinnern, die es damals gegeben hatte und die anscheinend ebenso wie die alten, sehr rustikalen Straßen, der modernen Verkehrsplanung gewichen waren. Anfang 1980 hatte ich die DDR verlassen, über Ungarn mit einem westdeutschen Pass, der mich mein letztes Geld kostete.

Nach dem Zusammenbruch der DDR hatte ich kurz daran gedacht zurückzukehren, aber diesen Gedanken schnell verworfen. Alles, was mit dieser alten Geschichte zusammenhing, war von mir sehr erfolgreich verdrängt worden. Es hatte damals keine Konsequenzen für mich gegeben. Die Sache war anscheinend als tragischer Unfall unter vielen behandelt worden.

Am späten Nachmittag erreichte ich Stralsund, verfuhr mich und machte ungewollt eine längere Stadtrundfahrt, bei der ich mehrmals unter den beindruckenden Pfeilern der neuen Rügenbrücke, landete, bis ich schließlich die Mönchstraße fand. Ich stellte den Wagen ab und machte mich auf die Suche nach Köbers Agentur. Beim ersten Mal lief ich vorbei, bis mir gegenüber des Katharinenklosters ein kleines Schaufenster neben einem Torbogen mit einer roten Tür auffiel. Auf einigen, anscheinend selbst gedruckten Plakaten bot die Agentur Köber ihre Dienste zur Beschaffung von »Informationen aller Art« an. Wenn man den Aussagen trauen durfte, war sie in anscheinend in der Lage, Personen und verlorene Daten innerhalb kürzester Zeit ausfindig zu machen. Die Plakate waren vergilbt und in den Ecken des Schaufensters sammelte sich der Staub.

Ich probierte die rote Tür, gelang in einen kleinen Hinterhof und stand vor einem Anbau, an dessen Tür ein Zettel verkündete, dass es hier zum "Office" der Agentur Köber ging. Ich trat ein und befand mich in einer schmuddligen Bude, mit einigen verbeulten Aktenschränken aus Metall an den Wänden.

Hinter einem wuchtigen Schreibtisch, der den Rest des Raums fast zur Gänze füllte, saß ein untersetzter, schwammig wirkender Mann, dessen Alter ich nur schwer schätzen konnte. Er bearbeitete die Tastatur eines Laptops mit beachtlicher Geschwindigkeit, grunzte eine Art Begrüßung, als er mich sah, ließ sich aber sonst nicht weiter stören. Zwischen einigen Postern von Bogart im Trenchcoat hing ein Plakat in Schwarz Rot Gold mit dem Fahneneid der NVA. Geruch nach Rauch hing in der Luft. Erst dann bemerkte ich die qualmende Zigarette in dem geschmacklosen Aschenbecher aus Metall, der wie ein Anker geformt war. Ich hielt Köber seine Visitenkarte hin. Er nahm sie, drehte sie herum, überflog kurz den Text und lehnte sich lässig in seinem Stuhl zurück, warf die Karte auf den Tisch.

„Und, was wollen Sie?“

„Auskünfte. Ist doch ihr Metier.“

Er schüttelte den Kopf. „Sie verwechseln da etwas. Ich bin nur der Bote gewesen.“

Ich hatte keine Lust auf ein Quiz mit einem übergewichtigen Datensammler. Ganz im Gegenteil. Ich wollte endlich eine plausible Erklärung. Nur mit Mühe unterdrückte ich den Impuls, loszubrüllen.

„Was ist mit Titko?“

Er schüttelte wieder den Kopf, diesmal unterstützt von einem Schulterzucken, was mein Bedürfnis, ihm in sein feistes Gesicht zu schlagen nur steigerte.

„Vielleicht sagt ihnen Tilker mehr.“

„Ja, den Namen hat er erwähnt.“

„Er?“ Ich beugte mich vor, stützte mich dabei auf den Schreibtisch.

„Wenn Sie nur der Bote waren, warum sagen Sie mir nicht, wer hinter dieser Nachricht steckt?“

Es gab wieder keine Reaktion und so langsam verlor ich die Reste meiner Geduld. Ich packte den Aschenbecher, ließ ihn auf die Tischplatte krachen, sodass der Laptop einen Satz machte.

„Nur die Ruhe.“ Köber schnaufte. „Wie ich schon sagte, ich bin nur der Überbringer der Nachricht. Es gibt da jemanden, der ihnen die Zusammenhänge viel besser erklären kann.“

Er machte eine Handbewegung zur Tür.

„Hinten im Hof geht es runter zum alten Luftschutzbunker des Blocks. Ich benutze einen der Räume als Aktenlager, dort werden sie schon erwartet. Ist nicht zu verfehlen, steht groß Köber an der Tür.“

Einen Moment zögerte ich. Diese Wendung des Geschehens gefiel mir nicht besonders. Ich bedachte Köber mit einem ernsten Blick und verließ das Büro. Die angerostete graue Stahltür am anderen Ende des Hofes war nur angelehnt und bewegte sich mit gut geölten Scharnieren.

Eine breite Betontreppe führte nach unten in eine Art Vorhalle, von der wieder schwere Eisentüren abgingen. Das Pappschild mit Köbers Namen war nicht zu übersehen, und als einzige der Türen war sie nur angelehnt. Ich zog sie auf und trat ein. Der Raum war nur spärlich beleuchtet von einer schwachen Birne, die an einem Kabel von der Decke hing. Ich konnte Regale an den Wänden erkennen einen Stuhl und einen Tisch, auf dem ein Ordner lag. Kurz zögerte ich, dann trat ich näher und hinter mir fiel die Tür mit einem eigenartigen, saugenden Geräusch zu.

Ehe ich reagieren konnte, trat ein älterer Mann aus dem Zwielicht, das ihn bis jetzt verborgen hatte, und richtete eine Pistole auf mich.

„Schön, dass Sie gekommen sind." Er kam mir entfernt bekannt vor, aber mir fiel kein Name ein.

„Haben Sie eine Ahnung, wer ich bin? Aber vielleicht erinnern sie sich an meinem Bruder. Sie sind ihm einmal begegnet. Gefreiter Berger.“

Jetzt wusste ich, wem ich da gegenüberstand. Titko spielte bei dem Ganzen überhaupt keine Rolle. Dreißig Jahre hatte ich Ruhe gehabt, konnte mein Leben ohne Komplikationen führen und nun brach an einem Tag scheinbar alles zusammen. So wie es aussah, war ich in eine Falle gestolpert.

Bergers Bruder brach in ein bellendes Husten aus, das seinen Körper schüttelte. Berger hatte manchmal von ihm erzählt, Bilder gezeigt. Wie hieß er gleich? Paul? Erwin? Mir fiel es nicht ein. Er hielt weiterhin die Pistole auf mich gerichtet.

„Lungenkrebs, zu viele Zigaretten, seitdem ich sie suche.“ Seine Stimme klang eigenartig knarzend. Er bemerkte meinen Blick.

 "Vergessen Sie es. Die Tür kann nur von außen geöffnet werden und Köber fährt noch heute in seinen verdienten, langen Urlaub. Also lassen sie uns die verbleibende Zeit nutzen.“

Mit der Waffe deutete er auf den Tisch mit dem Ordner.

„Lesen sie. Dann erspare ich mir den Monolog und schone meine Stimme.“ Er hustete wieder und es hörte sich wie ein verunglücktes Lachen an.

Der Ordner trug sinnigerweise die Aufschrift Schnee.

Als Erstes las ich die alten Unfallprotokolle der NVA und der damaligen Volkspolizei, die nicht viel hergaben, nur dass es zwei Tote gegeben hatte, aber zwischen den Zeilen schwang schon ein gewisser Verdacht gegen mich mit. Interessanter waren da die Unterlagen der Staatssicherheit. Dort wurde wesentlich ausführlicher über diesen Vorfall berichtet. In diesem Zusammenhang spielte meine sogenannte Republikflucht, kurze Zeit nach diesen Ereignissen, eine nicht unerhebliche Rolle, aber letztlich hatten sich keine konkreten Beweise gegen mich ergeben. Dann stieß ich auf die Unterlagen, die Bergers Bruder selbst zusammengetragen hatte: erst als Leutnant bei der Kripo der Volkspolizei und dann nach der Wiedervereinigung als Kommissar bei der Kripo Stralsund. Er hatte nicht an den Unfalltod seines Bruders geglaubt und mit Akribie versucht, die vielen Widersprüche in den Akten und Aussagen zu lösen. Erst nach dem Ende der DDR konnte er seine privaten Ermittlungen ausdehnen. Er brachte es bis zum Kriminalhauptkommissar, arbeitete all die Jahre verbissen daran, den Tod seines Bruders aufzuklären. Durch mein promptes Erscheinen hatte ich für ihn die letzten Zweifel an meiner Schuld aus dem Weg geräumt.

Ein erneuter Hustenanfall ließ mich aufsehen.

Berger sah mich an, dann zog er ein Kästchen aus seiner Tasche, das wie eine Fernbedienung aussah.

„Ich habe nicht mehr lange, sagen jedenfalls die Ärzte. Und ich wollte nicht gehen, ohne diese Sache mit ihnen geklärt zu haben.“

„Was wollen Sie? Soll ich ein Geständnis ablegen?“

 "Nein. Jetzt nicht mehr.“

 Wieder ein Husten, doch die Pistole hielt mich auf Distanz.

 „Ich könnte sie erschießen, aber gestatten sie mir etwas Theatralik.“ Berger drückte auf seine Fernbedienung und ich hörte aus einer Ecke des Raumes ein zischendes Geräusch.

 „Kaliumcyanid und Schwefelsäure. Wirkt schnell. Einfach tief einatmen.“

 Er lächelte, als er starb, aber es galt nicht mir, vielleicht dachte er an seinen Bruder.

 

Viel Zeit bleibt mir nun nicht, um den Rest dieser Geschichte in meinen Blackberry zu tippen, vielleicht die Dauer eines Atemzugs.